Schizoide Persönlichkeitsstörung
(Diagnoseschlüssel ICD-10: F60.1 | ICD-11: 6D10)
Menschen mit einer schizoiden Persönlichkeitsstörung wirken auf ihre Umwelt oft distanziert, kühl oder als „Einzelgänger“.
Ihr Erleben ist geprägt von einem geringen Bedürfnis nach sozialen Kontakten und emotionaler Nähe. Während andere Menschen Geselligkeit suchen, empfinden schizoide Personen oft eine größere Zufriedenheit in der Einsamkeit oder in der Beschäftigung mit abstrakten Themen und Fantasiewelten.
Was Sie vielleicht bei sich beobachten (Beschwerden)
Das Leben als schizoide Persönlichkeit fühlt sich oft so an, als stünde man hinter einer Glasscheibe.
Typische Erlebensweisen:
Wenig Freude an Nähe:
Sie verspüren kaum das Bedürfnis nach engen Freundschaften oder einer Partnerschaft und fühlen sich allein oft wohler.Eingeschränktes Gefühlsleben:
Gefühle wie große Freude, Wut oder Trauer nehmen Sie bei sich selbst oft nur gedämpft wahr.Gleichgültigkeit gegenüber Lob oder Kritik:
Es berührt Sie wenig, was andere über Sie denken oder wie sie Sie bewerten.Liebe zur Sachlichkeit:
Sie bevorzugen oft rationale, logische oder mechanische Tätigkeiten gegenüber emotionalem Austausch.
Typische Symptome
Die Diagnose wird gestellt, wenn über lange Zeit folgende Merkmale im Vordergrund stehen:
Mangelndes Interesse an sozialen Kontakten:
Nur sehr wenige Tätigkeiten bereiten Ihnen Vergnügen, und diese werden meist allein ausgeübt.Emotionale Kühle:
Sie wirken auf andere oft „unnahbar“ oder flach in Ihrer emotionalen Reaktion.Geringes Interesse an Sexualität:
Es besteht oft wenig oder gar kein Verlangen nach sexuellen Erfahrungen mit anderen Menschen.Fantasie und Introspektion:
Sie ziehen sich gerne in eine reiche innere Fantasiewelt zurück.Fehlendes Gespür für soziale Regeln:
Es fällt Ihnen schwer, zwischenmenschliche Feinheiten (wie Flirts oder subtile Hinweise) zu erkennen oder darauf angemessen zu reagieren.
Behandlungsmöglichkeiten
In einer Therapie geht es nicht darum, Ihren Charakter zu verbiegen, sondern Ihnen dabei zu helfen, sich in der Welt besser zurechtzufinden:
Psychotherapie (z. B. Verhaltenstherapie)
Hier steht oft das Training sozialer Fertigkeiten im Vordergrund. Wir üben, wie man Gespräche führt oder soziale Signale besser versteht.
Arbeit am Gefühlsausdruck
Wir versuchen gemeinsam, den Zugang zu Ihren eigenen Emotionen behutsam zu erweitern, damit diese für Sie (und ggf. für wichtige Bezugspersonen) sichtbarer werden.
Lebensgestaltung anpassen
Ziel ist es, ein Lebensmodell zu finden, das zu Ihrem Bedürfnis nach Distanz passt, ohne dass Sie in eine völlige, ungewollte Isolation geraten.
Medikation
Medikamente spielen bei diesem Störungsbild eine untergeordnete Rolle. Sie werden meist nur eingesetzt, wenn zusätzliche Probleme wie Depressionen oder starke Ängste auftreten.
Ein Wort an Sie
Häufig kommen betroffene Menschen nicht wegen der Kontaktstörung selbst in Therapie, sondern weil sie sich von den Erwartungen ihrer Umwelt („Du musst doch mal unter Leute gehen!“) unter Druck gesetzt fühlen.
In der Therapie respektieren wir Ihr Bedürfnis nach Rückzug. Es geht darum, dass Sie lernen, mit Ihrer Besonderheit so umzugehen, dass Sie ein für Sie stimmiges Leben führen können.